Die Frauen, die unsere Kleider nähen

AusstellungTextilarbeiterinnen

 

Die erste Ausstellung nach der langen Phase des Fernunterrichts war für den Kurs Wirtschaft und Verwaltung der 9. Klassen eine willkommene Gelegenheit, außerhalb des Klassenzimmers zu lernen. Mit ihrer Kursleiterin Marica Cindric besuchten sie die Ausstellung „Kleider machen Leute – Leute machen Kleider“, die in der Simmerner Stephanskirche Aufschluss über das Leben der Textilarbeiterinnen in Bangladesch gab.

Bereits im Unterricht beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler mit der Frage der Nachhaltigkeit in der Modebranche und wie der Welthandel fairer gestaltet werden kann. Sie stellten dabei fest, dass wir selbstverständlich und zugegebenermaßen auch gerne den schnell wechselnden modischen Trends folgen. Für viele gehört die Fast Fashion zum Lebensstil. Dabei übersehen wir leicht, dass die Mode für uns nur deshalb erschwinglich ist, weil die Textilarbeiterinnen in Bangladesch, die unsere Kleidung nähen, wenig Lohn für ihre Arbeit bekommen. Das Land gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Die extrem niedrigen Lohnkosten haben zwar zu einem gigantischen Wachstum der Industrie geführt, doch der Wohlstand ist noch nicht bei den Arbeiterinnen, die am Ende der Produktionskette stehen, angekommen.

Aus den persönlichen Schicksalen, die auf den großen Standbildern beschrieben waren, gewannen die Schülerinnen und Schüler Einblicke darüber, was es heißt, unter gesundheitsschädigenden Arbeitsbedingungen zu arbeiten. Die Textilarbeiterinnen sind meistens jung, weil sie die Belastung besser aushalten können, kommen aus ländlichen Gebieten und haben nur geringe Schulbildung. Die Arbeit in den Textilfabriken ist für sie die einzige Möglichkeit Geld zu verdienen, um ihre Kinder und ihre meistens arbeitslosen Ehemänner zu ernähren.

Jegliche Bestrebungen sich gewerkschaftlich zu organisieren und für höhere Löhne und Sicherheitsstandards zu kämpfen, bekommen die Frauen durch Gewalt und Repressalien zu spüren. Das ist ein Grund, warum sich bisher an ihrer Lage kaum etwas änderte. Die Ausstellung ist ein Beitrag uns, die Konsumenten der Bekleidungsindustrie, auf die unmenschlichen Arbeitsbedingungen aufmerksam zu machen.

Die Denkanstöße, die sie in der Ausstellung mit auf den Weg bekamen, nutzten die Schülerinnen und Schüler für viele Diskussionen im Klassenzimmer und stellten fest:  Die Schicksale der Textilarbeiterinnen in Bangladesch haben auch mit unserem Kaufverhalten zu tun.